Gartenkräuter richtig trocknen und lagern
Basilikum wächst schneller als man ihn essen kann. Rosmarin erobert das Hochbeet. Oregano breitet sich aus wie ein grüner Teppich. Wer im Sommer einen Kräutergarten hat, steht im Herbst vor einer einfachen Frage: Was tun mit der Fülle? Die Antwort ist älter als jeder Supermarkt. Kräuter trocknen ist keine Kunst, sondern Handwerk – und wer es einmal richtig gemacht hat, kauft nie wieder diese staubigen Tüten aus dem Regal. Die beste Zeit ist der Spätsommer, kurz vor der Blüte, wenn die ätherischen Öle am stärksten sind. An einem trockenen Vormittag schneiden, wenn der Tau weg ist aber die Sonne noch nicht zu stark. Was man in den nächsten zwei Wochen richtig macht, entscheidet über Aroma oder Heu. Gut getrocknete Kräuter halten ein Jahr und schmecken intensiver als alles aus der Gewürzabteilung.
- Kräuter zur richtigen Zeit ernten. Vormittags schneiden, sobald der Tau getrocknet ist. Triebe etwa 15 cm lang abschneiden, nicht rupfen. Bei mehrjährigen Kräutern maximal ein Drittel der Pflanze nehmen. Blühende Triebe stehen lassen – vor der Blüte ist das Aroma am stärksten.
- Kräuter vorsichtig reinigen. Triebe kurz in kaltem Wasser schwenken, nur wenn wirklich schmutzig. Schonender: Mit trockenem Küchentuch abwischen. Danach auf Geschirrtücher legen und Wasser verdunsten lassen, etwa 30 Minuten. Nasse Kräuter faulen statt zu trocknen.
- Kräuterbündel binden. 6–8 Triebe zu kleinen Bündeln zusammenfassen. Mit Küchengarn oder Gummiband fest binden, 2 cm über dem Ende. Kleine Bündel trocknen gleichmäßiger und schimmeln nicht. Bei großblättrigen Kräutern wie Basilikum nur 3–4 Stängel pro Bündel.
- Trockenplatz einrichten. Bündel kopfüber an Schnur, Kleiderbügel oder Nagel hängen. Raum muss warm, trocken und dunkel sein – Dachboden, Speisekammer oder trockener Keller. Keine direkte Sonne. Gute Luftzirkulation wichtig. Abstand zwischen Bündeln lassen.
- Kräuter vollständig durchtrocknen lassen. 7–14 Tage hängen lassen, je nach Luftfeuchtigkeit. Fertig sind sie, wenn Blätter beim Anfassen rascheln und zwischen den Fingern zerbröseln. Stängel müssen knackig brechen, nicht biegen. Zu früh gelagerte Kräuter schimmeln im Glas.
- Getrocknete Blätter abrebeln. Bündel über großer Schüssel halten. Blätter mit den Fingern vom Stängel nach unten streichen. Stängel wegwerfen. Große Blätter wie Salbei ganz lassen, kleine wie Thymian können zerbröckelt werden. Keine Stängelstücke ins Glas.
- In luftdichte Gläser abfüllen. Schraubgläser oder Einmachgläser verwenden, keine Plastikdosen. Gläser bis oben füllen, wenig Luftraum lassen. Deckel fest verschließen. Etikett mit Kräutersorte und Datum beschriften. Dunkel lagern – Küchenschrank oder Speisekammer.
- Lagerbedingungen überwachen. Gläser erste Woche täglich kontrollieren. Beschlagene Gläser sofort öffnen – Kräuter waren noch nicht trocken genug. Nochmals nachtrocknen lassen. Nach einem Monat nochmal prüfen. Richtig gelagerte Kräuter halten 12 Monate bei vollem Aroma.